Zwischen Handwerk und Pfusch.

31 August.2021 / 0 Kommentare

SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner im ORF-„Sommergespräch

Pamela Rendi-Wagner hat eingezahlt: auf das Konto „Vertrauen“, „Glaubwürdigkeit“, wahrscheinlich auch „Kompetenz“.

Eine enge Freundin von ihr sagt: „Sie hat nie etwas Verrücktes gemacht.“ So wirkt Pamela Rendi-Wagner auch. Sie ist vor der TV-Kamera souverän, schlagfertig, professionell. Sehr gutes Handwerk. Dieser Teil der politischen Kommunikation hat funktioniert. Gutes Handwerk. Gepfuscht haben andere.

Das Problem: Sie ist Politikerin.

Da muss nach dem TV-Event mehr in Erinnerung bleiben als nur der Satz: „Sie hat nie etwas Verrücktes gemacht.“

Das ist Pfusch. Nicht von Rendi-Wagner, sondern von ihrem Kommunikationsteam.

Denn gutes Handwerk geht so:

Rechtzeitig vor dem ORF-Sommergespräch setzt das Team ein Thema auf die politische Agenda. Eine politische Lösung dazu wird angedeutet, nicht ausgesprochen.

Im „Sommergespräch“ selbst transportiert Pamela Rendi-Wagner die vorher definierten Hauptbotschaften – unabhängig davon, wie die Fragen der Journalistin lauten. Eine dieser Hauptbotschaften muss hohen Gesprächswert haben. D.h., TV-Zuschauer*innen haben das Bedürfnis, die Botschaft am nächsten Tag jemandem zu erzählen, darüber zu reden.  Und die Botschaft muss die politische Lösung beinhalten, die vor der Sendung thematisiert wurde.

Auf diese Botschaft habe nicht nur ich vergeblich gewartet. Ohne sie ist „Echopolitik“ deutlich schwieriger.

Dann die „Echopolitik“ selbst: Begleitend zur Sendung müssen SPÖ-Mitarbeiter*innen, Sympathisant*innen etc. auf Twitter zur Person Rendi-Wagner und zu ihren Botschaften posten. Mit dem notwendigen Spin. Denn wer die Sendung sieht, nimmt sie ein wenig so wahr, wie sie auf Twitter kommentiert wird (worden ist).

Da war gestern Abend – vorsichtig formuliert – viel Luft nach oben.

The Day after: um nichts besser. Ein Facebook-Check: Die Bundes-SPÖ postet zum ersten Mal elfeinhalb Stunden (!) nach dem Sommergespräch. Eine Stunde nach dem Post: 60 Likes, 3 Kommentare – blamabel.

Zum selben Zeitpunkt auf dem Account von Jörg Leichtfried (stv. Klubobmann der SPÖ im NR): nichts

Auf dem Account des steirischen SPÖ-Chefs Anton Lang: nichts. Ich könnte nach Belieben fortsetzen.

Eine Presseaussendung setzt die Bundes-SPÖ 14 Stunden nach der Sendung ab.

Ohne „Echopolitik“ mit entsprechendem Spin bleibt zu wenig von einem „Sommergespräch“.

Das ist Pfusch. Nicht von Pamela Rendi-Wagner. Sondern von ihrem Kommunikationsteam. Es sei denn, die SPÖ-Strategen haben eine hidden agenda. Dann hätten sie, im Unterschied zu ihrer Chefin, doch etwas Verrücktes gemacht.